Symptome
Funktioneller Harnverhalt
Überaktive Blase
Dissoziative Anfälle
Intermittierende Lähmung
Funktionelle somatische Symptome
Ich habe zwei Diagnosen aus dem Bereich funktioneller Syndrome. 2016 ist bei mir das Fowler-Syndrom diagnostiziert worden. Bei mir hat das sehr dramatisch begonnen, weil ich plötzlich keinen Urin mehr habe lassen können. In der medizinischen Sprache nennt man das Harnverhalt. Ein paar Jahre später ist bei mir zusätzlich eine Funktionelle Neurologische Störung diagnostiziert worden, als ich plötzlich vom Hals abwärts gelähmt gewesen bin.
Danach bin ich fünf Monate im Krankenhaus gewesen. Während dieser Zeit haben die dissoziativen Anfälle begonnen.
In vielerlei Hinsicht geht es mir heute gut, und ich habe mir so etwas wie ein normales Leben zurückerobert. Ich habe einen Freund, mache Urlaub und habe gerade eine neue Arbeit angefangen. All das mache ich, während ich gleichzeitig noch meine Symptome bewältige.
Das ist nicht ganz einfach, und ich lerne immer noch, wie ich eine gute Balance finde
Die Symptome, die sich heute am stärksten auf mein Leben auswirken, sind:
- Blasenprobleme, die durch meinen Dauerkatheter schlimmer geworden sind: Krämpfe, Schmerzen und „Auslaufen“.
- Dissoziative Anfälle.
Der Auslöser: eine medizinische Diagnose
Mit 18 Jahren ist bei mir Morbus Crohn diagnostiziert worden. Morbus Crohn ist eine entzündliche Erkrankung des Darms. Er gilt als strukturelle Erkrankung und nicht als funktionelle Störung. Wie Du in meiner Geschichte sehen wirst, ist diese Diagnose jedoch der Beginn eines Kreislaufs aus Gesundheitsängsten und Problemen gewesen, der zu den Symptomen geführt hat, die ich heute habe.
Am Anfang war ich sehr verunsichert, weil ich nicht wusste, welche Auswirkungen Morbus Crohn auf mein Leben haben würde. Als Kind und Jugendliche bin ich nur selten bei Ärztinnen und Ärzten gewesen. Und dann ist mir plötzlich gesagt worden, dass ich diese Krankheit für den Rest meines Lebens haben würde.
Als Teenagerin habe ich irischen Tanz gemacht. Ich habe sehr viel Energie in Fitness und Tanzen gesteckt. Und dann ist all das von einem Moment auf den anderen abrupt zum Stillstand gekommen. Ich habe mich gefühlt, als würde ich feststecken und habe nicht mehr gewusst, wer ich bin oder wohin mein Leben gehen würde. Mein früher so unbeschwertes Leben hat sich angefühlt, als wäre es verschwunden. Ich habe alles, was ich getan habe, infrage gestellt und mein Selbstvertrauen verloren.
Blasensymptome
Im März 2017 habe ich plötzlich keinen Urin mehr lassen können. Das war schon einmal passiert, als ich wegen einer Niereninfektion im Krankenhaus gewesen bin. Dieses Mal bin ich jedoch zu Hause gewesen. Meine Hausärztin hat mich in die Notaufnahme geschickt. Dort hat man festgestellt, dass sich etwa zwei Liter Urin in meiner Blase angesammelt hatten. Daraufhin hat man mir einen Schlauch in die Blase gelegt, einen sogenannten Katheter, damit der Urin ablaufen konnte.
Kurz darauf habe ich Untersuchungen meiner Blase bekommen, und so ist bei mir das Fowler-Syndrom diagnostiziert worden. Das bedeutet, dass es ein Problem mit der Funktion der Muskeln rund um die Blase gibt. Die Beckenbodenmuskulatur entspannt sich nicht ausreichend, um Wasser zu lassen.
Rückblickend wünschte ich, ich wäre entschiedener gewesen und hätte darauf bestanden, den Katheter schnell wieder entfernen zu lassen. Oder ich hätte mir Alternativen wie das Selbstkatheterisieren anbieten lassen. Stattdessen bin ich mit dem Katheter aus dem Krankenhaus entlassen worden und habe das damals nicht hinterfragt.
Seitdem habe ich diesen Katheter. Meine Blase hat sich so sehr daran gewöhnt, dass es kaum möglich sein wird, ihn wieder loszuwerden. Gleichzeitig hat er mir immer so viele Probleme verursacht und immer wieder Infektionen ausgelöst.
Heute verkrampft meine Blase bereits, wenn nur wenig Urin in ihr ist. Das verursacht Schmerzen, und es kommt zu Undichtigkeiten rund um den Katheter.
In den letzten Jahren habe ich mit Beckenboden-Physiotherapeutinnen und Psychologen an diesem Problem gearbeitet. Vielleicht ist es aber zu wenig und zu spät gewesen.
Bisher hat nichts von dem, was wir versucht haben, wirklich geholfen. Ich wünschte, meine Blase hätte sich nie an den Katheter gewöhnt. Denn ich habe das Gefühl, dass sie heute in einem schlechteren Zustand ist als am Anfang.