Welche Empfindungen nimmst Du im Moment wahr?

Interozeption.

Interozeption meint die Fähigkeit, das Unsichtbare im Inneren des Körpers wahrnehmen.

Wir nehmen die Welt mit unseren Sinnesorganen wahr . und sind daran gewöhnt, unsere Umgebung beispielsweise zu Sehen, zu Hören und zu Tasten.

Wir haben aber auch Sinne, die darauf ausgerichtet sind, zu spüren, was im Inneren des Körpers geschieht. Die Art und Weise, wie wir das Innere des Körpers wahrnehmen, wird Interozeption genannt.

Viele Symptome beginnen als Empfindungen im Körper. Wir spüren zum Beispiel ein Engegefühl in der Brust oder nehmen unser klopfendes Herz wahr .

Das mag wie ein einfacher Prozess erscheinen, bei dem man auf die Signale hört, die der Körper an das Gehirn sendet.

Ist es aber nicht!

Interaktionen erforschen

Ansätze wie Du mit den Symptomen umgehen kannst

Das Verständnis für die Rolle des Gehirns bei der Interozeption kann entscheidend dafür sein, dass wir Symptome anders einordnen können.

Zu verstehen, dass ein Symptom nicht zwingend den tatsächlichen momentanen Zustand des Körpers abbildet, schafft die Möglichkeit, anders auf unsere Symptomwahrnehmungen zu reagieren.

Wenn wir Schmerzen, Unbehagen oder ein anderes Symptom erwarten, haben wir zwei Möglichkeiten:

1. Vermeidung

Eine Möglichkeit besteht darin, das die Empfindung und das einhergehende Unbehagen unterdrücken zu wollen

Viele Menschen lenken sich von unangenehmen Gefühlen ab, indem sie sich ständig beschäftigen sind oder zum Telefon greifen, wenn sie ein unangenehmes Gefühl erwarten. Auch Drogen und Alkohol sind Strategien, um unangenehmen Gefühlen auszuweichen.

Ablenkung ist nicht per se immer eine schlechte Sache. Wenn wir jedoch ständig zu etwas von außerhalb unserer selbst brauchen, um uns besser zu fühlen, verlieren wir zu unsere Intuition dafür, was der Körper wirklich braucht.

Manchmal verschlimmern die Dinge, zu denen wir greifen, die Probleme auf lange Sicht. Wir verlassen uns vielleicht nur noch auf andere und werden im Stich gelassen oder wir bleiben auf der Suche nach einer externen Lösung für unsere Probleme stecken.

2. Neugierde

Die Alternative ist, sich den Gefühlen mit freundlicher Neugier zuzuwenden.

Neugier ist das Gegenteil von Angst.

Wenn wir also versuchen, neugierig auf ein Gefühl oder etwas in der Umgebung zu werden, lernt unser Nervensystem dadurch, dass es nicht gefährlich ist.

Wenn wir beobachten, wie Gefühle auftauchen, durch uns fließen und sich dabei verändern, können wir erleben , wie Körperempfindungen kommen und gehen. Das zu lernen hilft uns, Symptomen mit einer neuen Sicht zu begegnen.

A person lying in a relaxed position on the floor with a boster and weight on their thighs

Gewöhne Dir an, Deinen Körper und Deine Umgebung in regelmäßigen Abständen am Tag wahrzunehmen

Die STOP-Übung: Anleitung

Verpflichte Dich am Besten, diese Übung einmal am Tag zu machen. Die Übung muss nicht länger als 5 Minuten dauern. Du kannst Dir einen Wecker auf Deinem Handy stellen oder Dir eine Notiz machen, um Dich daran zu erinnern. Sobald Du Dich an die Übung gewöhnt hast, entwickle die Gewohnheit, sie auch während deiner regelmäßigen Pausen am Tag zu machen – wie ein kleiner „Sinnessnack“.

Es gibt 4 einfache Schritte:

S – wie Stop: Mach eine Pause von dem, was Du gerade tust. Richte die Aufmerksamkeit nach innen.

T – wie get in Touch (Kontaktaufnahme): Nimm die Empfindungen oder Gefühle in deinem Körper so wahr, wie sie im Moment sind. Du kannst das auf jede Weise tun, die für dich funktioniert – zum Beispiel, indem du deinem Atem für ein paar Ein- und Ausatmungen folgst oder deine Hand auf dein Herz legst.

O – wie Observe (Beobachten). Hier nimmst du Symptome, Gedanken, Gefühle und Handlungsimpulse wahr, die im Moment vorhanden sind.

P – wie Prioritäten setzen. Setze jetzt die Fürsorge für Dich selbst an erste Stelle. Brauchst Du nach dem, was Du wahrgenommen hast, eine Pause, eine Atemübung oder eine bestimmte Bewegung?

Verbindung durch den Atem herstellen

Der Atem kann eine große Unterstützung sein, wenn wir dem Körper auf freundliche, neugierige Weise Aufmerksamkeit schenken. Zu beobachten, wie der Atem entsteht, fließt und sich verändert, bedeutet eine unmittelbare Körpererfahrung.

Langsames, tiefes Atmen hilft uns, Unbehagen auszuhalten und dabei zu bleiben. Doch der Atem kann uns auch dabei unterstützen, Gefühle zu verändern.

Vielleicht kennst Du einige dieser Techniken bereits. Frauen wird vor der Geburt gezeigt, wie sie in ihre Wehen hinein atmen können, um die verkrampften Muskeln zu lockern.

Genauso auf die gleiche Weise können wir Atmung nutzen, um verkrampfte Gefühle zu lockern.

Jedes Ausatmen ist eine Gelegenheit, loszulassen.

Wenn wir in einen angespannten oder verkrampften Teil des Körpers hineinatmen, können wir uns vorstellen, wie er sich lockert und Weite und Leichtigkeit entsteht.

Therapeuten-Tipp Sticker

Mach Dir keine Sorgen, wenn sich eher meditativ geprägte Ansätze für Dich unerreichbar oder unpassend anfühlen. Alle körperlich geprägten Aktivitäten – zum Beispiel Tanzen, Gärtnern, Spazieren, Dehnen – helfen uns dabei, interozeptive Fähigkeiten zu entwickeln.

Welche Erklärungen sind für Dich relevant?