Gibt es Momente, in denen Du den Kontakt zu Deinem Körper verlierst?

Dissoziation.

Das Gehirn verfügt über eine Strategie, mit der es sich vom Körper und von der Umgebung „abkoppeln“ kann.

Diese Strategie nennt man Dissoziation. Im normalen Alltag hilft uns Dissoziation dabei, den Körper zeitweise auszublenden. Das ist nützlich, wenn wir uns stark auf etwas anderes konzentrieren müssen.

Wenn Dissoziation jedoch zu häufig auftritt oder besonders ausgeprägt ist, kann sie zu verschiedenen ungewöhnlichen Erfahrungen führen.

Einige dieser Erfahrungen sind verwirrend. Während einer Dissoziation begibt sich das Gehirn in eine schützenden Trancezustand. Gedanken, Aufmerksamkeit und Erinnerungen können dann verschwommen oder wie „vernebelt“ wirken.

Dissoziation kann außerdem das Gefühl hervorrufen, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren. Funktionelle Anfälle sind eine extreme Form von Dissoziation.

Dissoziative Symptome sind reversibel und verursachen keine Schädigung des Gehirns.
Wird der Prozess jedoch nicht unterbrochen, können dissoziative Symptome mit der Zeit immer mehr Lebensbereiche beeinträchtigen.

Therapeuten-Tipp Sticker

Du kannst einer Fachperson im Gesundheitswesen, der Du vertraust, von Deinen dissoziativen Erfahrungen erzählen und fragen, ob sie Zeit hat, Dich bei einigen Grounding-Übungen anzuleiten.

Auch in der Therapie lassen sich Fähigkeiten erlernen, um wieder mehr Halt und Verbindung im eigenen Körper zu finden. Wenn es in Deiner Vergangenheit schwere traumatische Erfahrungen gab, kann eine spezialisierte Therapie, die auch mit Körpererinnerungen arbeitet, sehr hilfreich sein.

Wenn Du keinen Zugang zu Therapie hast, kann es helfen, regelmäßige Aktivitäten zu finden, die Dich mit Deinem Körper und Deiner Umgebung verbunden fühlen lassen. Das können zum Beispiel Schwimmen, Sport, Tanzen, ruhige Bewegungsformen, Yoga, Gartenarbeit oder Spaziergänge in der Natur sein.

Was bedeutet Grounding?

Auch wenn es schwierig sein kann, aus einer Dissoziation wieder herauszufinden, gibt es konkrete Möglichkeiten, den dissoziativen Zustand zu unterbrechen und dissoziative Symptome rückgängig zu machen. Diese Maßnahmen werden Grounding genannt.
Wenn Du das Gefühl hast, „wegzudriften“, hilft Grounding dabei, Dich wieder in der gegenwärtigen Realität und im eigenen Körper zu verankern.

Grounding bedeutet, sich im Körper und in der gegenwärtigen Realität zu verankern.

Es gibt verschiedene Wege dafür, sich zu verankern. Die Aufmerksamkeit für die reale Umgebung ist dabei zentral. Manche Menschen beginnen damit, fünf Dinge in ihrer Umgebung aufzuzählen: fünf Dinge, die sie sehen, fünf Geräusche, fünf körperliche Empfindungen. Manche Menschen finden auch, dass starke erdige Gerüche wie Salbei oder Lavendel ihnen helfen, sich zu erden.

Grounding wird auch dadurch unterstützt, das Gewicht des Körpers zu spüren – und damit seine Stabilität. Dazu kannst Du Deine Aufmerksamkeit nach unten lenken und wahrnehmen, wie der Boden, der Stuhl oder das Bett Dich trägt.

Für viele Menschen ist es hilfreich, beide Hände fest auf die Oberschenkel zu drücken – besonders in Situationen, in denen man mit anderen zusammensitzt. Du kannst auch barfuß gehen, eine Gewichtsdecke verwenden oder Dir selbst die Hände massieren.

Grounding kann (besonders, wenn Du es vorher geübt hast) in Akutsituationen bei Dissoziation helfen. Es gibt jedoch keine schnellen Lösungen. Entscheidend ist, die Übungen regelmäßig zu machen, nicht nur dann, wenn Dissoziation gerade auftritt.

Auch das Verständnis für die Rolle des autonomen Nervensystems bei Dissoziation kann hilfreich sein. Sorgen zu reduzieren und körperlichen Stress zu reduzieren sind wichtige Schritte, um problematische Dissoziation besser in den Griff zu bekommen.