Fällt es Dir schwer, Dich zu entspannen?

Dysautonomie

Dysautonomie ist ein Sammelbegriff dafür, wenn das autonome Nervensystem (ANS) nicht richtig funktioniert.

Das autonome Nervensystem (ANS) ist wie der Autopilot deines Körpers.

Das ANS reguliert grundlegende Funktionen wie Herzfrequenz (=Puls), Atmung, Verdauung und Temperatur.

Es passt diese Körperfunktionen im Inneren ständig an, um den Körper im Gleichgewicht zu halten – egal, ob Du Dich gerade ausruhst, verdaust, schläfst oder vor einer Herausforderung stehst.

Es hat zwei wichtige Anteile, die zusammenarbeiten:

  1. Sympathisches Nervensystem (SNS ) – die „Kampf-, Flucht- oder Erstarrungsreaktion“ des Körpers.

  2. Parasympathisches Nervensystem (PNS ) – der „Ruhe-, Verdauungs- und Erholungsmodus“.

Symptome einer SNS-Aktivierung und PNS-Aktivierung

Achte darauf, welcher Teil des ANS gerade aktiv ist.

So wie ein Auto sowohl Gas als auch Bremsen braucht, müssen im Körper das SNS und das PNS zusammenarbeiten.

Wenn die beiden Anteile aus dem Gleichgewicht kommen, geraten viele Körperfunktionen ebenfalls aus dem Takt. Aus diesem Grund verursacht die Dysautonomie unterschiedliche Symptome in so vielen verschiedenen Bereichen des Körpers.

Bringe das ANS wieder ins Gleichgewicht, indem Du bewusst in einen körperlichen Ruhezustand wechselst.

Warum

Obwohl wir keine direkte Kontrolle über das ANS haben, reagiert es auf das, was im Körper und in seiner Umgebung geschieht. Das bedeutet, dass es viele Möglichkeiten gibt, wie wir das ANS beeinflussen und die beiden Anteile wieder ins Gleichgewicht bringen können.

Regelmäßig etwas zu tun, das die beiden Anteile des autonomen Nervensystems wieder ins Gleichgewicht bringt, dient nicht nur dazu, besser mit Angst umzugehen. Das bewusste Üben, wie man in einen körperlichen Ruhezustand trainiert neuronale Bahnen, die der Körper braucht, um im Tagesverlauf immer wieder selbständig zurück ins Gleichgewicht zu finden. So bleibt der Vagusnerv (als wichtigster Teil des PNS) gut „trainiert“ und der körpereigene Autopilot flexibel und leistungsfähig.

Kurzanleitung: Das ANS wieder ins Gleichgewicht bringen

Schritt 1: Ein überaktives SNS beruhigen

Wenn du beim Versuch, dich zu entspannen, viel unruhige Energie im Körper spürst, ist dieser Schritt notwendig.

Wenn Du Dich stattdessen erschöpft fühlst, überspring diesen Schritt und gehe direkt zu Schritt 2.

  • Stimulanzien reduzieren. Wir können das SNS durch Substanzen (wie Koffein und Zucker) oder mentale Reize (wie Videospiele oder angsteinflößende Filme) anregen.
  • Aktive Achtsamkeit: Schaffe Raum, um Dich im aktuellen Moment zu verankern. Wenn Du sehr unruhig bist, wird es schwierig sein, still zu sitzen und zu meditieren. Stattdessen kannst Du einen Spaziergang machen, bei dem Du bewusst auf die Eindrücke und Geräusche um Dich herum achtest, etwas Kreatives mit Deinen Händen tun oder Dir Zeit nehmen, mit einem Haustier zu spielen.
  • Bewege Deinen Körper. Schütteln oder andere Bewegung sind kraftvolle Wege für einen „Reset“ des SNS.

Vorsicht

Bewegung kann das SNS zunächst einmal aktivieren.

Das bedeutet:

-Es ist keine gute Idee, anstrengende Bewegung zu kurz vor dem Schlafengehen zu einzuplanen. Das kann den Übergang in einen körperlichen Ruhezustand (vom SNS >zum PNS) stören, der für einen guten Nachtschlaf nötig ist.

-Achte darauf, Dich anfangs bewusst und maßvoll zu bewegen, wenn Du Symptome hast, die durch Bewegung ausgelöst werden.

Schritt 2. Das PNS (den Vagusnerv) trainieren, damit es leichter aktiviert werden kann

Wenn das PNS übernimmt, können Heilung, Erholung und Regeneration ganz von allein stattfinden.

Es gibt einige Dinge, die wir gezielt tun können, um das PNS so zu trainieren, dass es leichter anspringt. Wenn wir den Vagusnerv trainieren und stärken, werden automatische Vagusreflexe stärker, und der Körper beginnt im Verlauf immer automatischer, das Gleichgewicht wiederherzustellen.

Beispiele hierfür sind:

  • Atemübungen, die sich auf die Verlängerung der Ausatmung konzentrieren
  • Kaltes Wasser (Schwimmen oder kalte Dusche)
  • Singen oder Summen
  • Lachen und soziale Kontakte pflegen
  • (Selbst-)Berührung, Massage oder Orgasmus
  • Körperhaltungen, die den Blutfluss zum Herzen verbessern. (z.B. Liegen mit hochgelegten Beinen über dem Herzen)
  • Zeit in der Natur verbringen
  • Bewegung, die uns Spaß macht
  • Entspannende Musik oder beruhigende Geräusche hören.

Denk daran, Du musst nicht all diese Dinge und schon gar nicht gleichzeitig tun! Du solltest nur ein paar Methoden finden, die für Dich funktionieren und die Du regelmäßig üben kannst (idealerweise täglich).

Je besser das ANS mit der Zeit in der Lage ist, von einem Zustand in den anderen zu wechseln, von angespannt zu entspannt (und wieder zurück), desto weniger Dysautonomie-Symptome wirst Du erleben.

Es gibt noch weitere Vorteile: Der Körper ist dann auch besser dazu in der Lage, körperlichen Stress automatisch zu regulieren . Das wirkt sich positiv auf Entzündungen und autoimmunitätsbedingte Symptome aus, hilft, Grübeln zu reduzieren, verbessert die Aufmerksamkeit, reduziert Müdigkeit und hilft bei der Emotionsregulation.

Es hilft, Ruhe auf körperlicher Ebene zu betrachten.

Professionelle Unterstützung

Wenn es Dir schwerfällt, in einen Zustand körperlicher Ruhe zu finden, ist es hilfreich, Dir Unterstützung und Anleitung zu holen. Therapeuten, einschließlich Psycholog:Innen und Physiotherapeut:Innen, können Dich dabei unterstützen, einen Weg zu finden, Deinen Körper zu entspannen.

Ein hohes Maß an Sympathikusaktivität steht oft in Zusammenhang mit Angst oder Ängstlichkeit. Wenn das bei Dir zutrifft, kann eine Behandlung der Angst durch eine Fachperson für psychische Gesundheit, zum Beispiel eine Psychiaterin oder einen Psychiater, Psycholog:In hilfreich sein. Denk dabei immer daran: Lass den Körper nicht außen vor.

Therapeuten-Tipp Sticker

Das Aktivieren des parasympathischen Nervensystems kann sich anfangs anstrengend anfühlen. Bei manchen Menschen hat sich der Körper daran gewöhnt, Stress als Energiequelle zu nutzen. Wenn dieser Stress-„Anschub“ wegfällt, fühlt man sich erstmal erschöpft. Dein Körper braucht jedoch die körperliche Ruhe, um seine Reserven wieder aufzubauen.

Wenn du Erschöpfung verspürst, sobald du dich entspannst, nutze das zu Deinem Vorteil und übe den Wechsel in den Zustand körperlicher Ruhe abends vor dem Schlafengehen. Dann ist es völlig okay, wenn Du dabei einschläfst!
Die positiven Effekte werden sich nach und nach einstellen, wenn das PNS stärker wird – und das wird auch Deinen Schlaf verbessern.

Welche Erklärungen sind für Dich relevant?