Wie wirkt Bewegung sich auf Deine Symptome aus?

Energie und Bewegung.

Bei Rehabilitation geht nicht nur um körperliche Fitness.

Oft stellt man sich Rehabilitation als Training zur Steigerung der Fitness vor. Von dieser Vorstellung sollten wir uns aber lösen.

Rehabilitation hat vielmehr das übergeordnete Ziel, mehr Leichtigkeit und Bewegungsfreiheit im Körper zu ermöglichen. Es geht um eine schrittweise Veränderung der Aktivität. Von dort, wo Du jetzt stehst, wirst Du dahin begleitet, wo Du bezüglich Deiner körperlichen Möglichkeiten hin möchtest.

Für viele Menschen steht bei der Rehabilitation die Verbesserung der körperlichen Fitness gar nicht im Mittelpunkt. Rehabilitation ist viel breiter: Sie bedeutet, neue Fähigkeiten zu erlernen und neue Gewohnheiten zu entwickeln, die den Körper in seinen natürlichen Genesungsprozessen unterstützen.

Es kann den Genesungsprozess sehr fördern, wenn Du eine Dir angenehme und angepasste Form der Bewegung findest, die Dir Spaß macht und die Du regelmäßig in Deinen Alltag integrieren kannst – unabhängig davon, welche Symptome Du hast.

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Tipps zum Umgang mit Bewegung während der Rehabilitation:

  • Etabliere Bewegungsformen, die Dir Spaß machen und die Du täglich ausüben kannst, ohne danach einen Einbruch („Crash“) zu erleben.
  • Sei nicht selbstkritisch in Bezug auf Deine „Leistung“. Akzeptiere, dass Dein aktuelles Ausgangsniveau ein anderes ist als vor Deiner Erkrankung.
  • Richte bei Bewegung Deine Aufmerksamkeit darauf, wie sich die Bewegung anfühlt, nicht darauf, wie Du dabei aussiehst. Das kann auch bedeuten, das Tempo bewusst zu reduzieren
  • Vermeide Ziele, die den Körper wie ein Objekt behandeln (zum Beispiel Gewichtsabnahme).
  • Reduziere in körperlichen Stressphasen, die Intensität um eine Stufe.
  • Übe vorsichtig, wenn Du sehr stark eingeschränkt bist

Bei chronischer Fatigue, die Betroffene weitgehend ans Bett bindet, kommt es zu Veränderungen im Muskelstoffwechsel, die die Belastbarkeit sehr stark einschränken können. Wenn dies auf Dich zutrifft, ist es sinnvoll, die Rehabilitation mit Unterstützung eines multidisziplinären Teams zu beginnen.

Denk daran: Es ist in Ordnung, Dir Zeit zur Erholung zu nehmen. Alles braucht seine Zeit, und Du musst nicht immer vorwärtsdrängen.

 

Post exertional Malaise (PEM)

Es ist völlig normal, beim Lesen dieses Abschnitts Fragen oder Sorgen zu haben. Vielleicht fragst Du Dich sogar, ob Bewegung deine Symptome möglicherweise verschlimmern könnte.

Post-Exertional Malaise (PEM) bezeichnet die Erfahrung, dass es in den Tagen nach körperlicher Belastung (anstrengender Bewegung) zu einem Energieeinbruch und einer verminderten Belastbarkeit kommt.

Im Internet wird viel über PEM diskutiert – leider sind einige dieser Informationen irreführend.

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Energieverbrauch hängt nicht nur von Bewegung ab

Wir achten auf unser Tempo, weil wir genug Energie für die Dinge haben möchten, die uns wichtig sind. Dabei gibt es jedoch einige alltägliche Aktivitäten, die viel Energie verbrauchen, ohne dass wir es bewusst merken.

Zum Beispiel wird oft vergessen, dass das Gehirn eines der energieintensivsten Organe des Körpers ist. Mentale Aktivitäten wie Grübeln oder ständiges Scrollen am Handy können daher körperliche Ressourcen genauso stark beanspruchen wie körperliche Aktivität.

Verwendest du viel Energie für Tätigkeiten, die Dir eigentlich nicht wichtig sind, weil Du fälschlicherweise annimmst, sie seien erholsam?

Unabhängig von der Ursache Deiner Beschwerden ist es für die Rehabilitation wichtig, eine Art von Bewegung zu finden, die Spaß macht, ohne einen Crash auszulösen.

Tipps vom Physiotherapeuten

Beweglichkeit zu erhalten ist wichtig – auch dann, wenn Deine Symptome gerade sehr ausgeprägt sind. Gewebe, das durch Inaktivität an Beweglichkeit verloren hat, braucht lange, um diese wieder zurückzugewinnen.

Dehnen unterstützt zudem eine gute Atmung und hilft, das Lymphsystem anzuregen, was Entzündungen reduzieren kann. Dehnen ist fast immer in irgendeiner Form möglich – sogar im Liegen im Bett.

Wenn Du dazu bereit bist, kann der Aufbau von Kraft und Ausdauer viele Symptome positiv beeinflussen, zum Beispiel Schmerzen, Fatigue, Angst, gedrückte Stimmung sowie Symptome einer Dysautonomie. Auch das Immunsystem und alle Körperrhythmen profitieren davon.

Wenn Du schon längere Zeit krank warst, ist es wichtig, Deine körperliche Belastbarkeit schrittweise aufzubauen. Ein guter Einstieg ist Dehnen oder leichte, unangestrengte Bewegung, um das Muskel- und Skelettsystem wieder zu lockern.

Nach einigen Wochen des „Lockerwerdens“ kannst Du beginnen, kraft- und ausdauerfördernde Aktivitäten in den Alltag einzubauen – zum Beispiel mit dem Hund spazieren gehen, Treppen steigen, Einkäufe tragen oder ein Baby hochheben.

Es ist immer besser, täglich ein überschaubares, kleines Trainingspensum einzubauen als ab und zu eine große Trainingseinheit. Intensive, unregelmässige Belastungen können einen Boom-und-Bust-Effekt auslösen und Symptome aufrechterhalten oder verschlechtern.

Beginne mit dem, was gut machbar ist, und erweitere diese Alltagsaktivitäten langsam (z. B. etwas länger oder schneller gehen). Alternativ kannst Du motivierende Bewegungsformen integrieren, etwa Radfahren als Fortbewegung oder einen Yogakurs.

Behalte dabei stets im Blick, wie sich die Bewegung auf Deine Symptome und Dein gesamtes Energielevel auswirkt.